Als einer von sechs europäischen Hubs hatte der Impact Hub Tirol die Möglichkeit, am ersten Circo Train-the-Trainer Programm für Impact Hub Maker teilzunehmen. Zentraler Bestandteil des T2T Programms war die Durchführung eines Circo Online Trainings mit 12 Unternehmen aus verschiedenen Impact Hubs. Alex und Simon, die für uns an dem Training teilgenommen haben, haben sich für Strofeld und Aeoon entschieden und konnten über mehrere Wochen an der Zirkularität der beiden Unternehmen arbeiten.  Am Ende entstand eine Win-Win-Win-Win-Situation: Circo konnte seine Methode in Österreich weiter skalieren und der Impact Hub Tirol ist nun auch der Circo Austria Hub, das Impact Hub Netzwerk konnte seine Stärke als enges Netzwerk unter Gleichgesinnten zeigen, Alex und Simon konnten ihre Fähigkeiten um die Circo Methode erweitern und natürlich das Wichtigste: Strofeld und Aeoon konnten neue Ideen und bestehende Ansätze zum Thema Kreislaufwirtschaft entwickeln, vertiefen und umsetzen.

Nicht nur Wissen und Inspiration wird im Impact Hub geteilt. Manchmal wird auch gemeinsam angepackt und so entstand das Kleidertauschevent “Tausch dich glücklich” als gemeinsame Initiative von Uptraded und wert.voll.vegan. Das Impact Startup Uptraded ist eine second-hand Kleidertauschapp, die sich zum Ziel gesetzt hat Fashion zu revolutionieren. Als pioneer:impact Alumni ist Gründerin Anna und ihr Team von Uptraded Community Mitglied der ersten Stunde. Sie hat schon Co-Founder im Hub gefunden und ist hier auch auf Anna von wert.voll.vegan gestoßen, mit der sie dann gemeinsam und mit Unterstützung des Impact Hubs ein Kleidertauschevent organisierte, an dem über 200 begeisterte Menschen dabei waren und über 1.000 Kleidungsstücke getauscht wurden. 

Was Bosch, Patagonia und Einhorn Kondome zu Pionierinnen macht

Annika ist seit August 2023 als Community & Space Managerin Teil des Impact Hub Teams und ist fest davon überzeugt, dass soziales Unternehmertum ein entscheidender Schlüssel für gesellschaftlichen Wandel ist. Während ihres Studiums sammelte sie Berufserfahrung in einem Start-Up, das zirkuläres Wirtschaften vorantreibt. Für sie spielen eine praxisnahe Hands-On-Mentalität und die Verbindung zur realen Welt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Business als Hebel für nachhaltige Transformation zu nutzen…

Unternehmen fordern in einem offenen Brief danach, Jurist:innen entwerfen neue Gesetzestexte dafür und Studierende, wie ich vor zwei Jahren, schreiben ihre Thesis darüber. Die Rede ist von Verantwortungseigentum und der Einführung einer neuen Rechtsform, die diese Art von Wirtschaften umsetzbar macht – und das stößt auf Begeisterung: Unter den Unterstützer:innen der geplanten Rechtsform finden sich Unternehmen jeden Alters (Startup bis etablierter Mittelstand) und sämtlicher Branchen (Produkthersteller bis Digital Dienstleister) wieder. Die neue Rechtsform soll es leichter machen, unternehmerisches Handeln werte- statt profitorientiert auszulegen. Erstaunlich dabei: Verantwortungseigentum ist eine Art zu wirtschaften, die innovativ, wie altbewährt ist und von Patagonia und Bosch bereits umgesetzt wird. Auf der Suche, wie wir Gemeinwohl wieder glaubhaft und ehrlich in unserem Wirtschaftssystem verankern können, bin ich darauf gestoßen und seitdem on fire. 

Zur Auffrischung: unser Wirtschaftssystem ist auf Maximierung von Gewinnen ausgerichtet. So wie wir es aktuell praktizieren, wird es uns nicht aus den diversen Krisen des 21. Jahrhunderts heraus helfen. Vielmehr hat uns ein permanentes Streben nach Gewinnmaximierung in genau diese Finanz-, Wirtschafts-, Umwelts- und Gesundheitskrisen geführt. Und das hat mit der Umkehrung von Mittel und Zweck im Unternehmer*innentum zu tun.

Was bedeutet das? Das Hauptziel von Unternehmen (und dahinterstehenden Individuen) ist Profitmaximierung, oder um es kapitalismuskritisch auszudrücken: die Akkumulation von Kapital. Der eigentliche Zweck wirtschaftlicher Aktivitäten, für das Auskommen einer Gesellschaft zu sorgen, wird hintergründig. Der wirtschaftliche Druck und die historisch entstandene Auslegung, zugunsten der Anteilseigner zu wirtschaften, bringt eine Bandbreite an richtig miesen Auswirkungen mit sich: negative Auswirkungen auf die Umwelt, auf die Arbeitsbedingungen und die soziale Gerechtigkeit. Sowie die Ausbeutung von Arbeitskräften, Umweltzerstörung, die ungleiche Verteilung von Ressourcen und damit einhergehende gesellschaftliche Spannungen. 

Klar schwindet so das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem.

Von profit-first zu purpose-first

Dabei haben Unternehmen eigentlich ihre ganz eigens gesteckten Ziele, die sie erreichen wollen; der Unternehmenszweck oder auf englisch Corporate Purpose. Hier eine Auswahl an Marken und ihrem Purpose, der durch ihre wirtschaftliche Aktivität erzielt werden soll: 

  • Barbie: We exist to inspire the limitless potential in every girl.

  • Dr. Oetker: Creating a taste of home.

  • Deutsche Bahn: Unser innerstes Anliegen ist eine starke Schiene für Deutschland.

  • Patagonia: We’re in business to save our home planet.

  • Blackrock: We (exist to) help more and more people experience financial well-being.

Unbestritten, dass die Statements erstmal alle gut klingen.

Mit dem Wissen, dass all diese Unternehmen jedoch immer noch den Spielregeln des Kapitalismus folgen müssen, wird klar: die Priorisierung von Purpose und Gewinnerzielung kann ganz schön unterschiedlich ausgelegt werden. Kommt der Purpose, nachdem Profit erzielt wurde? Tritt er parallel dazu auf? Oder wird Profit dem Purpose untergeordnet? 

Fazit: Zu oft wird der Corporate Purpose als Marketinginstrument missbraucht. Dieses Verhalten erschwert es den Unternehmen, die ihren Purpose als primären Unternehmenszweck sehen, glaubhaft zu bleiben.

Und genau so soll durch Verantwortungseigentum durch zwei Prinzipien für Klarheit geschaffen werden:

Selbstbestimmung und Purpose-Orientierung

Selbstbestimmung: Die Stimmrechte eines Unternehmens sind weder vererblich noch verkäuflich. Das Unternehmen kann nicht zum Spekulationsgut werden, die Stimmrechte liegen stets bei Unternehmer:innen, die mit dem Unternehmen und dessen Mission direkt verbunden sind: Treuhänder bzw. Stewards, keine Fremd-Eigentümer.

Purpose-Orientierung: Gewinne werden als Mittel zum Zweck betrachtet und nicht als Selbstzweck. Der im Unternehmen geschaffene Wert kann nicht zum persönlichen Nutzen der Eigentümer:innen entnommen werden. Stattdessen werden Gewinne reinvestiert, zur Deckung von Kapitalkosten verwendet oder gespendet, um den Zweck des Unternehmens zu unterstützen.

Da es im deutschen Gesellschaftsrecht noch keine Rechtsform gibt, die Verantwortungseigentum unkompliziert umsetzbar macht, wird sich bisher mit verschiedenen Modellen beholfen. Den Einzel- und Doppelstiftungsmodellen und dem Veto-Share Modell. 

Bosch ist ein Beispiel für ein Unternehmen mit Doppelstiftungsmodell. Kleine Randnotiz: Dieses Doppelstiftungsmodell forderte 40 verschiedene Anwält:innen die 22 Jahre lang für Bosch ein Stiftungsmodell erarbeiteten. Aufgrund dieses Aufwandes erscheint die Umsetzung der Stiftungsmodelle für kleine, dynamische Start-Ups und mittelständische Unternehmen kaum umsetzbar.

Solange es die neue Rechtsform also noch nicht gibt, bietet die Purpose Stiftung mit dem Veto-Anteil Modell eine Lösung. Alle Unternehmen, die in Verantwortungseigentum überführt werden oder direkt darin gründen möchten, übergeben 1% der Stimmrechte an die Purpose Stiftung. Im Falle eines Unternehmensverkauf, oder einer Satzungsänderung, welche die Trennung von Stimm- und Dividendenrechten unterminieren würde, kann die Stiftung Veto einlegen. 

Klar ist: Es braucht eine neue Rechtsform, die Verantwortungseigentum einfach umsetzbar macht. In Deutschland ist das auch schon angedacht. Der Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien sieht eine Rechtsform vor, die die GmbH mit gebundenem Vermögen ermöglichen soll.

Für wen das Ganze?

Der Mittelstand braucht mehr Optionen, damit Nachfolgefragen individuell passend gestaltet werden kann. Die Eigentümerposition soll dadurch auch für Menschen unabhängig der genetischen Familie geöffnet werden.

Start-ups einer neuen Generation streben keinen Exit an, sondern wollen langfristig agierende mittelständische Unternehmen auf gelebten Werten aufbauen. Eine wachsende Zahl benötigt dafür den passenden rechtlichen Rahmen.

Sozialunternehmen brauchen die Möglichkeit, gewerblich zu wirtschaften und dabei sicherzustellen, dass Unternehmensvermögen und Gewinne dem Unternehmenszweck und ihrer Mission dienen. 

Das Revolutionäre am Verantwortungseigentum?

Es ist die Entscheidungsgrundlage, die sich fundamental ändert, sobald die Gewinne nicht mehr privatisiert werden dürfen. Unternehmen gehören sich selbst, ihr Zweck steht im Vordergrund. Kritiker:innen stellen gerne in Frage, ob die Auslegung der Eigentumsstruktur von Unternehmen tatsächlich zu nachhaltigerem Wirtschaften führt. Berechtigt. Aber: ich halte dagegen. In uns Menschen steckt das Gute. Lieber würden wir Menschen fair bezahlen, statt Kinder für uns produzieren zu lassen. Lieber würden wir Tiere artgerecht auf der Weide schlachten lassen, statt massenhaft in furchtbaren Schlachthöfen. Lieber würden wir regionales Essen für unsere Kitas und Krankenhäuser beziehen, anstatt Tiefkühlware zu importieren. Davon bin ich überzeugt.

Klar ist: wir brauchen eine Rechtsform für Verantwortungseigentum, um den Einstieg in ein neues Wirtschaften zu ermöglichen und der Doktrin der Profitmaximierung ein gutes Leben für alle entgegenzusetzen.

Ein „Fundamental re-Framing on how we do business“ (Michael Porter) ist nötiger denn je und Verantwortungseigentum ein sinnvoller Schritt in diese Richtung. Eine Neuauslegung der Ziele und dem Sinn des Wirtschaftens wird von den Unternehmen, die bereits in Verantwortungseigentum sind, eindrücklich und konstruktiv vorgelebt. So kann es zu einem Wettbewerb unter neuen Bedingungen kommen, bei welchem die erfolgreichsten Akteur:innen diejenigen sind, von denen am meisten gesellschaftlicher Mehrwert ausgeht.

Neugierig? Hier gibt’s weitere Ressourcen zum Thema

  • Für einen generellen Überblick: “Corporate Purpose – Das Erfolgsrezept der Zukunft” (Bruns, Jeromin, 2020)

3 Möglichkeiten, wie du das Weihnachtskonsum-Dilemma in den Griff bekommen kannst.

Alle Jahre wieder: Wir beschweren uns, dass Weihnachten zu einer destruktiven Geschenk- & Konsumschlacht geworden ist – und ändern dann doch kaum etwas an unserem Verhalten. Natürlich wissen wir, welchen Effekt unser übermäßiges Kaufverhalten auf das Klima hat und dass viele Menschen auf Grund unseres Sparverhaltens in schlechten Arbeitsverhältnissen leben. Die beste Antwort heißt natürlich: Selber machen, upcycling oder gemeinsame Zeit schenken. Und ja, es sind ohne Zweifel mit Abstand die besten Lösungen, doch scheinen uns diese Möglichkeiten Jahr für Jahr nicht auszureichen.

Hier stellen wir euch 3 Zwischenlösungen von Social Businesses vor, mit denen ihr euren Weihnachtseinkauf dieses Jahr „verbessern“ könnt.

1. Vor der Haustür – unser Favorit

Für regional, fair & nachhaltig muss man nicht nach Berlin: In Tirol gibt es mittlerweile eine Reihe von Social Businesses, bei denen ihr direkte „gute“ Produkte kaufen könnt. Im World Fairtrade Shop bei der Triumphpforte findet ihr eine breite Palette von Kleinigkeiten wie faire Schokoladen und Kaffeegeschenke, kleine Geschenke wie nachhaltige Boxershorts oder klimapositive Trinkflaschen bis hinzu Taschen und Geldbeuteln. Ein weiteres tolles Konzpet bietet s’Fachl:  Der Heimat von Handgefertigtem, Hübschem und Kreativem. Produkte im ’s Fachl verbindet die Leidenschaft derer die sie herstellen – im Geschäft in der Altstadt können vor allem junge Künstler:innen und Handwerker:innen ihre Produkte anbieten, was den Sprung in die eigenständige unternehmerische Tätigkeit erleichtert. Auch hier findet sich von Schmuck über handgemachte Leckereien und Textilien alles, was das Herz der:des verantwortungsbeswusste:n Schenker:in begehrt.

Eine große Auswahl von Lebensmitteln findet ihr im Unverpackt Laden Greenroot im Marktgraben. Dort könnt ihr individuell zusammenstellen, mit was ihr eure Liebsten gerne verköstigen möchtet: Müslis, Schokolade, Nüsse, Gewürze – hier ist für alle etwas dabei! Garantiert unverpackt und biologisch, viel besser geht’s nun wirklich nicht mehr.

Und zuletzt noch ein Tipp für alle, die gerne Kleidung schenken: Der Fairfashion Laden Zerum am Burggraben bietet faire Moden für alle gender und Altersstufen. Da fühlt sich das schicke Weihnachts-Outift gleich dopplet gut an!

2. Auch Online geht sozial – wenn man weiß wo!

Natürlich – ideal ist das Online-Shoppen nie, doch manchmal scheinen wir nicht darum herum zu kommen. Eine tolle Möglichkeit bietet das der Goodbuy Online Shop. Hier werden nur Produkte verkauft, durch die direkt ein positiver Mehrwert für Menschen & Umwelt geschaffen wird. Hier findet ihr neue innovative Produkte und Marken – allerdings leider mit Versandweg. Auch bei Green Cloud Nine, dem Social Business unseres tollen Community Mitglieds Lola Fernandez, findet sich ein ähnliches Konzept: Eine kuratierte Auswahl von nachhaltigen Lifestyle und DIY-Produkten, bei denen man guten Gewissens zugreifen kann.

Wenn ihr doch auf den konventionellen Markt umsteigen müsst, haben wir zumindest einen Ausweg für euch parat. Mit der Aktivierung von Gooding, könnt ihr mit jedem Einkauf eine soziale Organisation unterstützen – ohne dass bei euch Kosten enstehen. Euer Online-Shop zahlt dabei im Schnitt 5% eures Einkaufs an euren Wunschverein. Wenn man Gooding dann auch noch als Plugin installiert, wird man auch in Zukunft immer an die Möglichkeit erinnert und unterstützt dauerhaft mit Urlaubsreisen und co. soziale und ökologische Projekte.

3. Der Gutschein-Ausweg

Für alle notorischen am-letzten-Tag-Geschenke-Besorger:innen haben wir noch einen letzten Tipp in petto: Gutscheine, um gemeinsam Zeit zu verbringen.

Im Cafe Namsa gibt es eine Auswahl der wohl leckersten Kuchen in Innsbruck, Mittagstisch unter der Woche, sowie einen multikulturellen Brunch am Wochenende. Gleichzeitig ermöglicht das Cafe in Innsbruck Menschen mit Fluchthintergrund einen ersten Einstieg in den Arbeitsmarkt in Österreich und ist somit ein Sprungbrett zu mehr Chancengleichheit.

Oder warum nicht mal gemeinsam selbst machen? In der Pennello Keramikwerkstatt könnt ihr eine kleine kreative Auszeit zum gemeinsam Keramik bemalen verschenken. Die selbst gestalteten Stücke werden gebrannt und können dann abgeholt werden – so lässt sich’s in der Kaffeepause gut in Erinnerungen schwelgen.

Und, zu guter Letzt: Wusstet ihr, dass man auch eine Mitgliedschaft oder einen Coworking-Platz beim Impact Hub hervorragend verschenken kann? Und zwar an liebe Menschen, die einfach bei der Impact-Pionier:innen-Szene Tirols dabei sein müssen, aber auch an sich selbst… #bethechange

Wir hoffen, ihr seid bei diesen Möglichkeiten fündig geworden und könnt dieses Weihnachten etwas entspannter und nachhaltiger genießen. Frohes Fest im Kreise von euren lieben Menschen wünscht euch das Impact Hub Team!