Cora ist Mitglied des Impact Hub Tirols und Teil des Teams von Brand New Bundestag. Als unabhängige Graswurzel-Organisation setzten sie sich für frischen Wind in den Parlamenten ein, indem sie Menschen auf dem Weg in die Politik unterstützen. Das Ziel: Parlamente, die alle Teile unserer Gesellschaft repräsentieren sowie progressive Politik, die gemeinsam mit der Zivilgesellschaft mutige Lösungen für die drängendsten Probleme unserer Zeit findet. Sie lebt in Innsbruck und Berlin. Innsbruck kommt gerade aus der heißen Phase des Intensivwahlkampfes zur Gemeinderatswahl und Bürgermeisterwahl für die Stadt (An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an die frisch gebildete Caprese Koalition und gutes Gelingen!). Die nächsten Wahlplakate ließen aber nicht lange auf sich warten, denn jetzt schon diese Woche steht die EU-Wahl ins Haus, und bevor ihr euch zurücklehnt: Österreich wählt im Herbst einen neuen Nationalrat. Aber nicht (nur) wegen Innsbruck wird 2024 als Superwahljahr bezeichnet: Weltweit werden in diesem Jahr rund 4,2 Milliarden Menschen zur Wahlurne gebeten. In rund 30 Staaten werden neue Präsident*innen gewählt, in etwa 20 weiteren Ländern wird die Zusammensetzung des Parlaments neu bestimmt, insgesamt stehen mehr als 70 Wahlen an. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Ländern, in denen 2024 gewählt wird. 2024 wird also zu Recht als „Superwahljahr“ bezeichnet. Jedoch gilt hier zu beachten: Nicht alle diese Wahlen werden frei und fair sein und nicht alle Staaten, die Wahlen abhalten, sind liberale Demokratien. Ein großer Anteil kommt aus der Europäischen Union, denn hier sind diese Woche vom 6.-9. Juni über 440 Millionen Europäer*innen aufgerufen an der Wahl zum Europäischen Parlament teilzunehmen. Angelehnt an die Wahlgrundsätze in Deutschland ist die Wahl: Allgemein, weil alle Bürger*innen ein Stimmrecht besitzen – unabhängig von ihrem Geschlecht, Einkommen, Konfession, Beruf oder politischen Überzeugung. Unmittelbar, da die Wähler*innen die Abgeordneten direkt – sprich unmittelbar – wählen. Es gibt keine „Wahlmänner“ wie z.B. in den USA. Frei, da Bürger*innen in ihrer Wahlentscheidung nicht beeinflusst oder unter Druck gesetzt werden. Dazu gehört auch, dass es keinen Wahlzwang gibt und alle Bürger*innen frei darin sind, ob sie an einer Wahl teilnehmen. Gleich, weil jede Stimme gleich viel zählt. Oder wie es im Englischen auch heißt: One (wo)man – one vote. Geheim, weil sichergestellt wird, dass ein*e Wähler*in unbeobachtet die Wahl treffen kann. Aber was hat das alles jetzt mit Zähneputzen zu tun? Vielleicht sind sie euch auch schon begegnet, die kurzen Videos auf Social Media, in denen Prominente plötzlich vor einem stehen und sich einfach die Zähne putzen. Am Schluss kommt der Satz: „Wählen gehen ist wie Zähne putzen, wenn man es nicht macht, wird es braun!“ Die Kampagne, welche von Fridays for Future gestartet wurde, appelliert an die Weisheit, die unsere Eltern uns als Kindern eingebläut haben: Wenn wir unsere Zähne nicht putzen, dann kommen Karius und Baktus und fallen über die Zähne her, bauen große braune Löcher, die schmerzvoll sind und eine noch viel schmerzvolle Behandlung nach sich ziehen. Deshalb, liebe Kinder, ordentlich die Zähne putzen. Und naja das ist beim Wählen gehen wirklich genauso. Wir kennen alle das Rechen- Beispiel, was passiert, wenn wenig Wahlberechtige wählen gehen. Falls ihr es nicht kennt, hier nochmal kurz zusammengefasst: Gehen 100 Menschen zur Wahl und 20 davon wählen die Partei PPH [Pro Pizza Hawaii], dann bekommt diese 20%. Gehen aber nur noch 60 der 100 Menschen zur Wahl, aber immer noch alle 20 wählen die Partei PPH, dann erhält die Pro Pizza Hawaii ~33 % der Stimmen. Das kann man weiter hochrechnen aber das Ergebnis bleibt gleich: Nicht-wählen beeinflusst den Ausgang der Wahl bedeutend. Nur leider geht es nicht um die gern diskutierte Pizza Hawaii sondern um rechte Politik. Das extrem rechte Lager ist sehr gut darin, seine Wähler*innen zur Stimmabgabe zu motivieren. Die anstehende Europawahl 2024 könnte ein weiteres politisches Erdbeben auslösen. In Umfragen zeichnet sich ab, dass EU-skeptische, rechtspopulistische oder (extrem) rechte Parteien weiter an Stimmen gewinnen – und damit an Einfluss im Europäischen Parlament. Je weniger Menschen insgesamt wählen gehen, umso besser für die Rechtsextremen: Ihr Anteil an Stimmen steigt und sie erhalten mehr Sitze. Bei der letzten Europawahl lag der Anteil der Nichtwähler*innen bei ~40% in Österreich. Was gegen einen Rechtsruck hilft: Eine Stimme für eine demokratische Partei! Und ihr denkt euch jetzt, ja ich geh ja eh immer wählen, was soll ich denn noch machen? Jetzt so kurz vor der Wahl, bleibt vor allem eines: Mit Menschen reden. Bei einer Nicht-Wähler*innnen Quote von 40% müssen wir alle Personen kennen, die nicht zur EU-Wahl gehen. Also redet mit den lieben Menschen in eurem Umfeld, sprecht über Gründe oder Unsicherheiten, findet gemeinsam Antworten oder formuliert zumindest Fragen. Und ansonsten dürfen wir alle gemeinsam nur noch hoffen, dass das Wetter am Sonntag in Innsbruck nicht zu gut wird, dass die Leute vor lauter Berg kein Wahllokal sehen 😉 Kommt da jetzt noch was Positives? Es wäre kein Blogartikel des Impact Hub Tirols, wenn nicht noch etwas Positives kommen würde (und eine Moral-Keule, aber versprochen nur ganz klein!). Was mir persönlich auch in diesen rauen Zeiten, bei all der Entwicklungen, die wir gerade sehen, und der Gefahr, die von rechts ausgeht, extrem Kraft gibt, sind unsere Kandidierenden, mit denen wir bei Brand New Bundestag arbeiten dürfen. Zu sehen, dass sich Menschen aus der Mitte der Gesellschaft für uns alle engagieren und persönlich dabei viel in Kauf nehmen, weil sie den Anspruch haben eine bessere Zukunft für alle zu ermöglichen motiviert mich richtig. Und solche Personen wie unsere Kandidierenden, die gibt es wirklich überall. Gerade haben wir mit zehn Partnerorganisationen gemeinsam für die EU-Wahl eine überparteiliche Liste zusammengestellt. Auf dieser Liste stehen 100 Kandidierende aus 10 Ländern, die am Sonntag zur Wahl stehen und alle eines gemeinsam haben: Sie wollen sich für zukunftsorientierte Politik im EU-Parlament einsetzen. Was diese Menschen vereint, was uns beim Impact Hub vereint, ist der Glaube daran, dass wir ein System bauen können, in dem es uns allen gut geht. Darauf wollen sie einwirken, oder wie man hier im Kontext sagt: Impact erzielen. Aber wie immer beim Impact, schaffen wir das nur zusammen. Lasst uns also gemeinsam für diesen Impact einsetzen: Nicht nur im Ökosystem des Impact Hubs, nicht nur im Bereich vom Sozialunternehmer*innentum, sondern auch als demokratische Gesellschaft. Wir müssen wieder anfangen, die Demokratie als etwas zu begreifen, dessen Teil wir alle sind: Demokratie ist kein Selbstzweck, sie existiert nicht einfach so, sondern wir alle sind Akteur*innen der Demokratie. Und wie es sich gestaltet, ein*e Akteur*in der Demokratie zu sein, das dürfen wir alle selbst definieren. Die Menschen, die wir alle sind, sind aktive Teile in der Demokratie, und wir müssen wieder besser verstehen, was unsere Demokratie auszeichnet und wie wir alle mit dem was wir tun, darauf einzahlen. Und wenn wir uns als diese Menschen identifizieren, uns miteinander vernetzen und Banden bilden, dann bin ich überzeugt, dass wird das mit der lebenswerten Zukunft für alle auf jeden Fall schaffen können. Und jetzt genug moralisiert: Ab zur Wahl! Weitere Inforationen zu unserer EU Future 100: https://brandnewbundestag.de/eu-future-100
Innsbruck kommt gerade aus der heißen Phase des Intensivwahlkampfes zur Gemeinderatswahl und Bürgermeisterwahl für die Stadt (An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an die frisch gebildete Caprese Koalition und gutes Gelingen!). Die nächsten Wahlplakate ließen aber nicht lange auf sich warten, denn jetzt schon diese Woche steht die EU-Wahl ins Haus, und bevor ihr euch zurücklehnt: Österreich wählt im Herbst einen neuen Nationalrat. Aber nicht (nur) wegen Innsbruck wird 2024 als Superwahljahr bezeichnet: Weltweit werden in diesem Jahr rund 4,2 Milliarden Menschen zur Wahlurne gebeten. In rund 30 Staaten werden neue Präsident*innen gewählt, in etwa 20 weiteren Ländern wird die Zusammensetzung des Parlaments neu bestimmt, insgesamt stehen mehr als 70 Wahlen an. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Ländern, in denen 2024 gewählt wird. 2024 wird also zu Recht als „Superwahljahr“ bezeichnet. Jedoch gilt hier zu beachten: Nicht alle diese Wahlen werden frei und fair sein und nicht alle Staaten, die Wahlen abhalten, sind liberale Demokratien. Ein großer Anteil kommt aus der Europäischen Union, denn hier sind diese Woche vom 6.-9. Juni über 440 Millionen Europäer*innen aufgerufen an der Wahl zum Europäischen Parlament teilzunehmen. Angelehnt an die Wahlgrundsätze in Deutschland ist die Wahl: Allgemein, weil alle Bürger*innen ein Stimmrecht besitzen – unabhängig von ihrem Geschlecht, Einkommen, Konfession, Beruf oder politischen Überzeugung. Unmittelbar, da die Wähler*innen die Abgeordneten direkt – sprich unmittelbar – wählen. Es gibt keine „Wahlmänner“ wie z.B. in den USA. Frei, da Bürger*innen in ihrer Wahlentscheidung nicht beeinflusst oder unter Druck gesetzt werden. Dazu gehört auch, dass es keinen Wahlzwang gibt und alle Bürger*innen frei darin sind, ob sie an einer Wahl teilnehmen. Gleich, weil jede Stimme gleich viel zählt. Oder wie es im Englischen auch heißt: One (wo)man – one vote. Geheim, weil sichergestellt wird, dass ein*e Wähler*in unbeobachtet die Wahl treffen kann. Aber was hat das alles jetzt mit Zähneputzen zu tun? Vielleicht sind sie euch auch schon begegnet, die kurzen Videos auf Social Media, in denen Prominente plötzlich vor einem stehen und sich einfach die Zähne putzen. Am Schluss kommt der Satz: „Wählen gehen ist wie Zähne putzen, wenn man es nicht macht, wird es braun!“ Die Kampagne, welche von Fridays for Future gestartet wurde, appelliert an die Weisheit, die unsere Eltern uns als Kindern eingebläut haben: Wenn wir unsere Zähne nicht putzen, dann kommen Karius und Baktus und fallen über die Zähne her, bauen große braune Löcher, die schmerzvoll sind und eine noch viel schmerzvolle Behandlung nach sich ziehen. Deshalb, liebe Kinder, ordentlich die Zähne putzen. Und naja das ist beim Wählen gehen wirklich genauso. Wir kennen alle das Rechen- Beispiel, was passiert, wenn wenig Wahlberechtige wählen gehen. Falls ihr es nicht kennt, hier nochmal kurz zusammengefasst: Gehen 100 Menschen zur Wahl und 20 davon wählen die Partei PPH [Pro Pizza Hawaii], dann bekommt diese 20%. Gehen aber nur noch 60 der 100 Menschen zur Wahl, aber immer noch alle 20 wählen die Partei PPH, dann erhält die Pro Pizza Hawaii ~33 % der Stimmen. Das kann man weiter hochrechnen aber das Ergebnis bleibt gleich: Nicht-wählen beeinflusst den Ausgang der Wahl bedeutend. Nur leider geht es nicht um die gern diskutierte Pizza Hawaii sondern um rechte Politik. Das extrem rechte Lager ist sehr gut darin, seine Wähler*innen zur Stimmabgabe zu motivieren. Die anstehende Europawahl 2024 könnte ein weiteres politisches Erdbeben auslösen. In Umfragen zeichnet sich ab, dass EU-skeptische, rechtspopulistische oder (extrem) rechte Parteien weiter an Stimmen gewinnen – und damit an Einfluss im Europäischen Parlament. Je weniger Menschen insgesamt wählen gehen, umso besser für die Rechtsextremen: Ihr Anteil an Stimmen steigt und sie erhalten mehr Sitze. Bei der letzten Europawahl lag der Anteil der Nichtwähler*innen bei ~40% in Österreich. Was gegen einen Rechtsruck hilft: Eine Stimme für eine demokratische Partei! Und ihr denkt euch jetzt, ja ich geh ja eh immer wählen, was soll ich denn noch machen? Jetzt so kurz vor der Wahl, bleibt vor allem eines: Mit Menschen reden. Bei einer Nicht-Wähler*innnen Quote von 40% müssen wir alle Personen kennen, die nicht zur EU-Wahl gehen. Also redet mit den lieben Menschen in eurem Umfeld, sprecht über Gründe oder Unsicherheiten, findet gemeinsam Antworten oder formuliert zumindest Fragen. Und ansonsten dürfen wir alle gemeinsam nur noch hoffen, dass das Wetter am Sonntag in Innsbruck nicht zu gut wird, dass die Leute vor lauter Berg kein Wahllokal sehen 😉 Kommt da jetzt noch was Positives? Es wäre kein Blogartikel des Impact Hub Tirols, wenn nicht noch etwas Positives kommen würde (und eine Moral-Keule, aber versprochen nur ganz klein!). Was mir persönlich auch in diesen rauen Zeiten, bei all der Entwicklungen, die wir gerade sehen, und der Gefahr, die von rechts ausgeht, extrem Kraft gibt, sind unsere Kandidierenden, mit denen wir bei Brand New Bundestag arbeiten dürfen. Zu sehen, dass sich Menschen aus der Mitte der Gesellschaft für uns alle engagieren und persönlich dabei viel in Kauf nehmen, weil sie den Anspruch haben eine bessere Zukunft für alle zu ermöglichen motiviert mich richtig. Und solche Personen wie unsere Kandidierenden, die gibt es wirklich überall. Gerade haben wir mit zehn Partnerorganisationen gemeinsam für die EU-Wahl eine überparteiliche Liste zusammengestellt. Auf dieser Liste stehen 100 Kandidierende aus 10 Ländern, die am Sonntag zur Wahl stehen und alle eines gemeinsam haben: Sie wollen sich für zukunftsorientierte Politik im EU-Parlament einsetzen. Was diese Menschen vereint, was uns beim Impact Hub vereint, ist der Glaube daran, dass wir ein System bauen können, in dem es uns allen gut geht. Darauf wollen sie einwirken, oder wie man hier im Kontext sagt: Impact erzielen. Aber wie immer beim Impact, schaffen wir das nur zusammen. Lasst uns also gemeinsam für diesen Impact einsetzen: Nicht nur im Ökosystem des Impact Hubs, nicht nur im Bereich vom Sozialunternehmer*innentum, sondern auch als demokratische Gesellschaft. Wir müssen wieder anfangen, die Demokratie als etwas zu begreifen, dessen Teil wir alle sind: Demokratie ist kein Selbstzweck, sie existiert nicht einfach so, sondern wir alle sind Akteur*innen der Demokratie. Und wie es sich gestaltet, ein*e Akteur*in der Demokratie zu sein, das dürfen wir alle selbst definieren. Die Menschen, die wir alle sind, sind aktive Teile in der Demokratie, und wir müssen wieder besser verstehen, was unsere Demokratie auszeichnet und wie wir alle mit dem was wir tun, darauf einzahlen. Und wenn wir uns als diese Menschen identifizieren, uns miteinander vernetzen und Banden bilden, dann bin ich überzeugt, dass wird das mit der lebenswerten Zukunft für alle auf jeden Fall schaffen können. Und jetzt genug moralisiert: Ab zur Wahl! Weitere Inforationen zu unserer EU Future 100: https://brandnewbundestag.de/eu-future-100
Protect Our Winters hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Outdoorcommunity zu vernetzen und sich gemeinsam für mehr Klimaschutz einzusetzen. Aufklärung und Kooperation stehen dabei im Fokus. Lena Öller ist freie Journalistin und seit vier Jahren POW-Mitglied. Warum und was POW genau macht, erklärt sie in diesem Text. Meine Motivation Ich liebe es, dass ich meine Freizeit in der Natur verbringen kann. Dass ich die Berge durch verschiedene Sportarten hautnah erleben und sie durch die vorhandene Infrastruktur auch auf einfachem Weg nutzen kann. Und ich möchte, dass das auch so bleibt – dass auch künftige Generationen die Berge als Naherholungsraum nutzen können, dass Tourist:innen weiterhin gerne zu uns auf Urlaub fahren und dass es auch in Zukunft viele Jobs in diesem Bereich gibt, die es vielen Leuten ja überhaupt erst ermöglichen, in dieser wunderbaren Umgebung leben zu können. Seit meiner Kindheit sehe ich, welchen Stellenwert der Wintertourismus im Westen Österreichs einnimmt. Ohne die vielen Skigebiete und die dazugehörenden Betriebe, wie Sporthändler, Skischulen, Hotels und Restaurants, aber auch die liefernden Gewerke, gäbe es in vielen Orten keine ausreichende wirtschaftliche Grundlage, um den Menschen ihren heutigen Lebensstandard zu ermöglichen. Seit meiner Kindheit sehe ich aber auch die drastischen Veränderungen, die die Klimakrise und der Wunsch nach wirtschaftlichem Wachstum mit sich bringt. Wetterereignisse werden immer unberechenbarer und Extreme immer häufiger. Die Natur wird mehr und mehr verbaut, die Skigebiete expandieren – noch ein weiterer Speicherteich, noch eine breitere Piste, noch mehr Beton in den Berg – für im Endeffekt noch mehr Geld. Ich glaube, es braucht hier ein Umdenken. Ich glaube, dass wir uns mehr dafür einsetzen sollten, das, was unsere Region besonders macht, zu bewahren. Das bedeutet, dass wir als Gesellschaft von jetzt an möglichst klimafreundlich handeln sollten und dass Entscheidungsträger:innen in Maßnahmen investieren müssen, die es uns leichter machen, nachhaltiger zu leben und im Endeffekt unseren Lebensraum und Wirtschaftsstandort langfristig sichern. Ich glaube, dass die Outdoorsportcommunity, allesamt naturverbundene Menschen mit vielen ähnlichen Interessen, einen enormen Einfluss auf Politik und Wirtschaft hat. Vor allem, wenn wir die Chance nutzen, uns zu vernetzen und gemeinsam mit anderen Stakeholdern an wirklichen Lösungen arbeiten. Protect Our Winters versucht genau das – und deshalb bin ich Mitglied. INFO: Ursprünglich stammt die Bewegung “Protect Our Winters” aus den USA, wo sie im Jahr 2007 von der Snowboard-Legende Jeremy Jones gegründet wurde. Sein Ziel war es von Beginn an, der breiten Masse eine Möglichkeit zu bieten, sich im Klimaschutz zu engagieren – und so ein Umdenken im Tourismus, der Wirtschaft und der Gesellschaft zu bewirken. Mittlerweile gibt es POW weltweit, neben dem 2014 gegründeten Chapter in Österreich finden sich in neun anderen europäischen Ländern POW-Ableger, zudem gibt es POW Europa als Dachorganisation. Wie POW arbeitet Um mehr Menschen für den Klimaschutz zu gewinnen, arbeiten wir bei POW in verschiedenen Allianzen zusammen. Die Athlete Alliance, bestehend aus Profi-Sportler:innen verschiedener Bergsport-Disziplinen, trägt durch ihre Bekanntheit die Botschaft von POW in die Welt hinaus. Gestützt wird diese Botschaft durch die Erkenntnisse der Science Alliance, ein Netzwerk von Wissenschaftler:innen, das Forschung zu den Themen Wintersport, Tourismus und Klimakrise betreibt. Die Creative Alliance hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Anliegen von POW durch Film und Fotografie näher an die Menschen zu bringen. Die neu gegründete Guides Alliance setzt sich aus aktiven Bergführer:innen sowie Ski- und Mountainbikeguides zusammen. Menschen, für welche die Berge nicht nur Leidenschaft, sondern auch fundamentale Grundlage ihres Berufs sind. Das Ziel: Offen über die Problematiken in ihrem Berufsfeld zu sprechen und Kolleg:innen sowie Kund:innen aufzuklären. Erdgespräche (c) Mitja Kobal_Greenpeace Bildung und Workshops Um die Problematik der Klimakrise und ihre Zusammenhänge mit Wirtschaft und Tourismus auch für junge Menschen greifbar zu machen, haben wir das „Hot Planet – Cool Athlete“ Programm entwickelt. Freiwillige aus den jeweiligen Regionalteams werden dabei von aktiven Athlet:innen in Schulen begleitet, um mit Kindern und Jugendlichen einen interaktiven Klimaworkshop durchzuführen. Es gilt dabei, junge Menschen sowohl für den Outdoorsport, als auch Klimaschutz zu begeistern. Für Oberstufler und Erwachsene bieten POW-Volunteers auch Climate Fresk Workshops an. Klimaworkshop (c) Mia Maria Knoll Schwerpunkt Mobilität Einer der größten Hebel, um den Bergsport schnell umweltfreundlicher zu machen, ist die Mobilität. Rund 70% der Emissionen eines durchschnittlichen Skitages entstehen alleine bei der Anreise. POW will daher alle Stakeholder dazu animieren, das Angebot der öffentlichen Anreise deutlich zu verbessern. Außerdem setzen wir uns aktiv dafür ein, die Hürde zum Wechsel auf die Öffis zu senken.In Zusammenarbeit mit dem Verein Bahn zum Berg haben wir im vergangenen Jahr zwei Öffi-Tourenführer für Nordtirol herausgebracht, die als Hilfestellung und Inspiration dienen sollen. Weitere derartige Projekte in anderen Alpenregionen befinden sich derzeit in Arbeit. Klimaschutz ist überparteilich Gute Öffiverbindungen reichen aber nicht, um die Bedrohungen der Klimakrise in den Griff zu bekommen. Wir zeigen daher bei Podiumsdiskussionen sowie in Gesprächen mit Politiker:innen und der Wintersportindustrie vernünftige Rahmenbedingungen für eine klimafreundliche Ausübung des Winter- und Outdoorsports auf. Mit Kampagnen und Petitionen versuchen wir außerdem, die Klimakrise und die Forderungen von POW mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen. Bisherige Erfolge Große mediale Aufmerksamkeit erzielte unsere Petition an den internationalen Skiverband FIS, in dem wir eine ambitionierte Nachhaltigkeitsstrategie forderten. Auch das im Sommer 2023 durchgeführte Gletscherbegräbnis war ein voller Erfolg für die Organisation. POW Austria hat den größten Gletscher Österreichs symbolisch beerdigt, weil die Gletscherzunge der Pasterze schon bald abreißen und der Großteil dann nur mehr aus Toteis bestehen wird. Die Aktion fand in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen und Vertreter:innen der Kirche statt. POW-Geschäftsführer Moritz Nachtschatt erklärt unsere überparteiliche Herangehensweise so: „Klimaaktivismus findet oft in einer gewissen Bubble statt. Gemeinsame Aktionen wie das Gletscherbegräbnis zeigen auf, dass Klimaschutz aber ein Thema aller sozialen Milieus und politischen Richtungen sein sollte.“ Mir ist wichtig zu betonen, dass, auch wenn jeder in seinem Handlungsfeld sein Bestes gibt, man die Verantwortung einer globalen Krise nicht auf Einzelpersonen übertragen kann. Es ist daher wichtig, dass wir uns vernetzen und gemeinsam Missstände und Lösungen aufzeigen und dass die Politik durch gezielte Maßnahmen und Regulierungen ein System schafft, das klimafreundliche Investitionen und Verhaltensweisen erleichtert – und das Gegenteil davon sanktioniert. Gletscherbegräbnis (c) Luca Jänichen Werde aktiv: Wer sich ehrenamtlich (etwa mit Klimaworkshops oder redaktioneller Mitarbeit) bei POW engagieren möchte, kann sich gerne bei meinem Kollegen Danilo unter danilo@protectourwinters.at melden. Interessierte Athlet:innen aus allen Outdoorsportsektoren wenden sich bitte an meine Kollegin Manuela, die unter manu@protectourwinters.at erreichbar ist. www.protectourwinters.at Instagram: @protectourwintersaustria
Lena Jahn ist Psychologin, Sexualpädagogin und Mitbegründerin des Vereins safer spaces – Fachstelle für sexuelle Bildung und Gewaltprävention. Gemeinsam mit dem achtköpfigen Team verfolgt sie das Ziel, ein breites Angebot an sexueller Bildung und Gewaltprävention in Tirol und darüber hinaus zu schaffen. Lena ist vor allem in der Erwachsenenbildung tätig und versucht mit dem Projekt unzensiert! in der Erwachsenenarbeit Räume zu schaffen, um über Sexualität, Körperlichkeit und Beziehungen zu sprechen. Sexuelle Bildung oder Sexualpädagogik – das sind Begriffe, die viele vermutlich mit „Sexualkundeunterricht“ für Kinder und Jugendliche an der Schule verbinden. Wenn wir in unserem Freund*innen- und Bekanntenkreis herumfragen, berichten die Leute oft von ähnlichen Abläufen in der Schule – wenn überhaupt Sexualkunde stattgefunden hat: Kondome über Bananen, Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und Schwangerschaftsverhütung – lange sah Sexualpädagogik genauso aus. Doch sexuelle Bildung kann mehr! Denn sie entwickelt sich weg von einer reinen Prävention vor Gefahren (frühe Schwangerschaft, Geschlechtskrankheiten, Gewalt etc.) hin zur ganzheitlichen Auseinandersetzung mit Körper, Sexualität und Beziehungen. Dabei wirken Inhalte der sexuellen Bildung nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. Wie ist das gemeint? Individuelle Ebene Ziel qualitativ hochwertiger sexueller Bildung ist es, Räume zu öffnen, in denen sich Menschen mit ihrer eigenen Identität, ihrem Körper, ihrer Sexualität und ihrer Art und Weise Beziehungen zu gestalten auseinandersetzen können. Viele Menschen unterliegen dem Mythos, Sexualität und Beziehungsgestaltung wäre eine angeborene Fähigkeit. Nein! Sexualität und Beziehungsgestaltungen sind zum großen Teil erlernt. Dabei lernen wir von Vorbildern, Medien, gesellschaftlichen Normen, eigenen Erfahrungen, etc. Aufgabe der sexuellen Bildung ist es, Menschen dazu zu befähigen, das Gelernte kritisch zu reflektieren, die Vielfalt der Möglichkeiten aufzuzeigen und damit die eigene Selbstbestimmtheit zu stärken. Dabei ist sexuelle Bildung ein lebenslanger Prozess, denn in jedem Lebensalter stehen wir vor neuen Fragen und Herausforderungen. Doch wenn sexuelle Bildung so wichtig ist, warum herrscht vielerorts, vor allem aber auch in Tirol, ein Mangel an Angeboten zu Themen der sexuellen Bildung? Gesellschaftliche Ebene Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft. Was bedeutet das? Das Patriarchat beschreibt ein System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen, Regeln und Verhaltensmustern, das von (cis) Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird. Viele dieser Regeln zeigen sich als Diskriminierung. Das zu ändern ist schwierig, auch wenn viele Frauen und andere marginalisierte Personen schon lange dafür kämpfen. Einige Beispiele um dies zu verdeutlichen sind die Ungleichverteilung von Sorge- und Care-Arbeit, der Gender-Pay- Gap oder die enormen Zahlen der genderbasierten Gewalt, gipfelnd in der hohen Zahl der Femizide in Österreich[1]. Sexuelle Bildung, die auf Wissen und Reflexion basiert, stellt sich gegen das Patriarchat, indem sie FLINTA*[2] Personen und ihre Positionen stärkt und damit den Zwang toxischer Geschlechterrollen sowie heteronormativer L(i)ebens- und Begehrensweisen aufbricht. Angesetzt im Kindesalter hat sexuelle Bildung das Potenzial, bereits Kindern zu zeigen, wie vielfältig Identitäten, Sexualität, Körper, Beziehungen und Lebensweisen sein können und wie Menschen miteinander umgehen können, ohne die Grenzen des Gegenübers gewaltvoll zu überschreiten. Eine Disziplin, die sich gegen vorherrschende Normen einer Gesellschaft stellt, hat es nicht immer leicht. Das spiegelt sich auch auf politischer Ebene. Politische Ebene Sexuelle Bildung ist politisch. Warum? Zum einen wird Sexualität selbst beeinflusst durch gesellschaftlich-politische Einflüsse (Arbeitszeiten, Familienpolitik, Konsumgewohnheiten, Medien uvm.). Zum anderen nimmt Sexualität Einfluss auf die Politik (z.B. ist die rechtliche Gleichstellung von Homosexualität maßgeblich auf die Kämpfe queerer Menschen zurückzuführen). Sexuelle Bildung sollte für die politischen Ebenen von Sexualität sensibilisieren. So sollen Menschen dazu befähigt werden, in einer demokratischen Gesellschaft zu Themen wie sexualisierter Gewalt, Gleichstellung aller Geschlechter oder Rechte queerer Personen Stellung beziehen und handeln zu können. [3] Workshopaufnahme ©saferspaces Was bedeutet das nun? Am Beispiel der sexuellen Bildung kann gezeigt werden, dass sich der Wirkmechanismus von Bildung nicht nur auf das Individuum und seine Stärkung (Empowerment) beschränkt, sondern weitläufige Wellen im System schlägt. (Sexuelle) Bildung hat das Potenzial, das gesellschaftliche und politische System positiv zu verändern. Gleichzeitig bedarf es einiger Mühen, um gegen die vorherrschenden Restriktionen, Normen und Tabuisierungen der Gesellschaft anzukämpfen. Menschen, die in der (sexuellen) Bildung arbeiten, arbeiten immer in einem Spannungsfeld zwischen Individuum, Gesellschaft und Politik. Als ich mir zu Beginn des Schreibprozesses Gedanken über dieses Thema gemacht habe, hatte ich den Wunsch, eine mögliche Utopie zu formulieren. Wie könnte eine (sexuell) gebildete Gesellschaft aussehen? Gleichberechtigt und Queerfreundlich? Auf die Grenzen der Anderen und der Eigenen bedacht? Ohne struktureller und genderbasierter Gewalt? Oder zumindest weniger davon? Menschen, die über ihren Körper, ihre Bedürfnisse und Wünsche Bescheid wissen und diese kommunizieren können? Das wünschen wir uns zumindest! Wir sind safer spaces – Fachstelle für sexuelle Bildung und Gewaltprävention. Über info@saferspaces.at und der Telefonnummer +43677 61389261 könnt ihr uns erreichen und gemeinsam mit uns an dieser Utopie arbeiten 🙂 ©saferspaces Zum Weiterlesen: Sexuelle Bildung und Queerfeministische Kämpfe – AEP informationen Nr.4 2023 Sexualität – Ein illustrierter Leitfaden – Meg-John Barker & Jules Scheele Radikale Zärtlichkeit – Seyda Kurt Fußnoten und Quellen: [1] Im Jahr 2023 wurden laut Medienberichten bereits 28 Frauen ermordet, davon waren mutmaßlich 26 Femizide, und es gab 41 Mordversuche bzw. Fälle schwerer Gewalt an Frauen (vgl. Amnesty International). [2] FLINTA* steht für Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans und Agender. [3] Valtl, Karlheinz (2013): Sexuelle Bildung: Neues Paradigma einer Sexualpädagogik für alle Lebensalter. In: Schmidt, Renate-Berenike/ Sielert, Uwe (Hrsg.) (2013): Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Juventa. S. 125-140.
Sexuelle Bildung oder Sexualpädagogik – das sind Begriffe, die viele vermutlich mit „Sexualkundeunterricht“ für Kinder und Jugendliche an der Schule verbinden. Wenn wir in unserem Freund*innen- und Bekanntenkreis herumfragen, berichten die Leute oft von ähnlichen Abläufen in der Schule – wenn überhaupt Sexualkunde stattgefunden hat: Kondome über Bananen, Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und Schwangerschaftsverhütung – lange sah Sexualpädagogik genauso aus. Doch sexuelle Bildung kann mehr! Denn sie entwickelt sich weg von einer reinen Prävention vor Gefahren (frühe Schwangerschaft, Geschlechtskrankheiten, Gewalt etc.) hin zur ganzheitlichen Auseinandersetzung mit Körper, Sexualität und Beziehungen. Dabei wirken Inhalte der sexuellen Bildung nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. Wie ist das gemeint? Individuelle Ebene Ziel qualitativ hochwertiger sexueller Bildung ist es, Räume zu öffnen, in denen sich Menschen mit ihrer eigenen Identität, ihrem Körper, ihrer Sexualität und ihrer Art und Weise Beziehungen zu gestalten auseinandersetzen können. Viele Menschen unterliegen dem Mythos, Sexualität und Beziehungsgestaltung wäre eine angeborene Fähigkeit. Nein! Sexualität und Beziehungsgestaltungen sind zum großen Teil erlernt. Dabei lernen wir von Vorbildern, Medien, gesellschaftlichen Normen, eigenen Erfahrungen, etc. Aufgabe der sexuellen Bildung ist es, Menschen dazu zu befähigen, das Gelernte kritisch zu reflektieren, die Vielfalt der Möglichkeiten aufzuzeigen und damit die eigene Selbstbestimmtheit zu stärken. Dabei ist sexuelle Bildung ein lebenslanger Prozess, denn in jedem Lebensalter stehen wir vor neuen Fragen und Herausforderungen. Doch wenn sexuelle Bildung so wichtig ist, warum herrscht vielerorts, vor allem aber auch in Tirol, ein Mangel an Angeboten zu Themen der sexuellen Bildung? Gesellschaftliche Ebene Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft. Was bedeutet das? Das Patriarchat beschreibt ein System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen, Regeln und Verhaltensmustern, das von (cis) Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird. Viele dieser Regeln zeigen sich als Diskriminierung. Das zu ändern ist schwierig, auch wenn viele Frauen und andere marginalisierte Personen schon lange dafür kämpfen. Einige Beispiele um dies zu verdeutlichen sind die Ungleichverteilung von Sorge- und Care-Arbeit, der Gender-Pay- Gap oder die enormen Zahlen der genderbasierten Gewalt, gipfelnd in der hohen Zahl der Femizide in Österreich[1]. Sexuelle Bildung, die auf Wissen und Reflexion basiert, stellt sich gegen das Patriarchat, indem sie FLINTA*[2] Personen und ihre Positionen stärkt und damit den Zwang toxischer Geschlechterrollen sowie heteronormativer L(i)ebens- und Begehrensweisen aufbricht. Angesetzt im Kindesalter hat sexuelle Bildung das Potenzial, bereits Kindern zu zeigen, wie vielfältig Identitäten, Sexualität, Körper, Beziehungen und Lebensweisen sein können und wie Menschen miteinander umgehen können, ohne die Grenzen des Gegenübers gewaltvoll zu überschreiten. Eine Disziplin, die sich gegen vorherrschende Normen einer Gesellschaft stellt, hat es nicht immer leicht. Das spiegelt sich auch auf politischer Ebene. Politische Ebene Sexuelle Bildung ist politisch. Warum? Zum einen wird Sexualität selbst beeinflusst durch gesellschaftlich-politische Einflüsse (Arbeitszeiten, Familienpolitik, Konsumgewohnheiten, Medien uvm.). Zum anderen nimmt Sexualität Einfluss auf die Politik (z.B. ist die rechtliche Gleichstellung von Homosexualität maßgeblich auf die Kämpfe queerer Menschen zurückzuführen). Sexuelle Bildung sollte für die politischen Ebenen von Sexualität sensibilisieren. So sollen Menschen dazu befähigt werden, in einer demokratischen Gesellschaft zu Themen wie sexualisierter Gewalt, Gleichstellung aller Geschlechter oder Rechte queerer Personen Stellung beziehen und handeln zu können. [3] Workshopaufnahme ©saferspaces Was bedeutet das nun? Am Beispiel der sexuellen Bildung kann gezeigt werden, dass sich der Wirkmechanismus von Bildung nicht nur auf das Individuum und seine Stärkung (Empowerment) beschränkt, sondern weitläufige Wellen im System schlägt. (Sexuelle) Bildung hat das Potenzial, das gesellschaftliche und politische System positiv zu verändern. Gleichzeitig bedarf es einiger Mühen, um gegen die vorherrschenden Restriktionen, Normen und Tabuisierungen der Gesellschaft anzukämpfen. Menschen, die in der (sexuellen) Bildung arbeiten, arbeiten immer in einem Spannungsfeld zwischen Individuum, Gesellschaft und Politik. Als ich mir zu Beginn des Schreibprozesses Gedanken über dieses Thema gemacht habe, hatte ich den Wunsch, eine mögliche Utopie zu formulieren. Wie könnte eine (sexuell) gebildete Gesellschaft aussehen? Gleichberechtigt und Queerfreundlich? Auf die Grenzen der Anderen und der Eigenen bedacht? Ohne struktureller und genderbasierter Gewalt? Oder zumindest weniger davon? Menschen, die über ihren Körper, ihre Bedürfnisse und Wünsche Bescheid wissen und diese kommunizieren können? Das wünschen wir uns zumindest! Wir sind safer spaces – Fachstelle für sexuelle Bildung und Gewaltprävention. Über info@saferspaces.at und der Telefonnummer +43677 61389261 könnt ihr uns erreichen und gemeinsam mit uns an dieser Utopie arbeiten 🙂 ©saferspaces Zum Weiterlesen: Sexuelle Bildung und Queerfeministische Kämpfe – AEP informationen Nr.4 2023 Sexualität – Ein illustrierter Leitfaden – Meg-John Barker & Jules Scheele Radikale Zärtlichkeit – Seyda Kurt Fußnoten und Quellen: [1] Im Jahr 2023 wurden laut Medienberichten bereits 28 Frauen ermordet, davon waren mutmaßlich 26 Femizide, und es gab 41 Mordversuche bzw. Fälle schwerer Gewalt an Frauen (vgl. Amnesty International). [2] FLINTA* steht für Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans und Agender. [3] Valtl, Karlheinz (2013): Sexuelle Bildung: Neues Paradigma einer Sexualpädagogik für alle Lebensalter. In: Schmidt, Renate-Berenike/ Sielert, Uwe (Hrsg.) (2013): Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Juventa. S. 125-140.
Ola Frühwirth hat 2019 Demokratie Lernen gegründet, um das Demokratiebewusstsein in Österreich zu stärken. „Ich glaube, dass Bildung unter unseren Verhältnissen deshalb eine existenzielle Notwendigkeit hat, weil Demokratie die einzige Staatsform ist, die gelernt werden muss“ (Negt 2004, S. 197) „Lange Zeit war es für mich selbstverständlich, in einer Demokratie zu leben. Ich habe das nicht hinterfragt. Im Gegenteil – nach dem kalten Krieg war die Euphorie groß – eine Chance demokratische Systeme in der Welt noch weiter auszubauen. – Die Hoffnungen waren groß, dass alles besser werden würde. Es gibt viele Gründe, warum das so nicht geschehen ist: Der nahezu grenzenlose Kapitalismus, die Machstrukturen in der postsowjetischen Ära, Pandemie, Kriege und die immer größer werdende Ungleichheit auch im reichen globalen Norden, um nur einige zu nennen“ erklärt Ola Frühwirth dazu, wie sie auf das Thema der Demokratiepädagogik in der Erwachsenenbildung gekommen ist. „Der durchschnittliche Mensch auf der Welt ist heute reicher, besser gebildet, gesünder und lebt wahrscheinlicher in einer Demokratie als noch 1990.“ [Andreas Sator] Vieles ist also auch vergleichsweise besser geworden wie Andreas Sator in seinem Buch „Alles gut?!“ beschreibt. Demokratie ist in Gefahr – nicht nur anderswo auf der Welt, sondern auch bei uns. Trotzdem ist unsere Demokratie angreifbarer als noch vor einigen Jahrzehnten. Das belegt auch der Demokratieindex. Dieser zeigt, dass sich Österreichs Demokratie in den letzten Jahren verschlechtert hat. Demokratieindex 2022, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex_(The_Economist) Österreichischer Demokratiemonitor 2023, S.5 Vielfältige Krisen, ein Vertrauensverlust in die Politik und große Unsicherheit, was die Zukunft bringen wird, führen zu einem Erstarken der populistischen Parteien. Viele sehnen sich nach Klarheit und einfachen Lösungen für immer komplexere Aufgaben. Gerade in Zeiten von zunehmendem Populismus und dem ansteigenden Bedürfnis nach autoritärer Führung bei immer größer werdenden Teilen der Bevölkerung ist es umso wichtiger, dem etwas entgegenzusetzen. Und wie meistens, können wir dabei am besten bei uns selbst anfangen. Aber wie können wir unser Bewusstsein schärfen und unsere demokratische Haltung stärken? Dafür gibt es viele Möglichkeiten: Viel zu aktuell diskutierten Themen lesen, sich mit Menschen zu verschiedenen Themen des demokratischen Miteinander austauschen. Die Gesprächskultur fördern. Die eigene Reflexionsfähigkeit verbessern. Gelegentlich die sogenannte „eigene Bubble“ verlassen und sich mit Menschen, die in ganz anderen Lebensrealitäten leben, unterhalten. Einfach mal zuhören. Wer mehr möchte, kann auch einen Demokratie-Workshop nach der Betzavta-Methode besuchen: Von Oktober 2023 bis Juni 2024 läuft eine 8-teilige Workshopreihe „Demokratisch leben – Wie geht das?“ abwechselnd in der Bäckerei und im Haus der Begegnung: 2 Stunden – immer montags – um sich mit einem für die Demokratie relevanten Thema zu beschäftigen und hoffentlich neue Erkenntnisse oder Denkanstöße mitzunehmen. Diese Workshops werden von Demokratie-lernen in Kooperation mit Paidei[n]a, dem Impact Hub Tirol, der Bäckerei und dem Haus der Begegnung veranstaltet, gefördert von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung. Die Betzavta Methode des Adam Institute for Peace and Democracy in Jerusalem ermöglicht die Beschäftigung mit relevanten Themen/Säulen/Werten der Demokratie. Sie stellt die Gruppe vor Herausforderungen – Positionen werden verhandelt. Konflikte in Dilemmata umgewandelt. Die Reflexion von Ergebnissen und „PowerRelations“ führt zur Erweiterung der individuellen und der Team-Kompetenzen. Denn nur wer sich bewusst für Demokratie entscheidet und sich aktiv einbringt, kann langfristig dazu beitragen, sie zu stärken und zu erhalten. Ganz im Sinne von Oskar Negt muss Demokratie gewollt und gelernt bzw. geübt werden. Dazu bietet Demokratie lernen verschiedene Workshops und Trainings im Bereich der Demokratie- und Friedenspädagogik, Anti-Diskriminierung, Anti-Bias, Argumentationstraining gegen Stammtischparolen und Gender & Diversity an. Weitere Ressourcen: Für alle, die jetzt Interesse haben, sich weiter in das spannende Thema zu vertiefen: Website: Demokratie Lernen www.demokratie-lernen.at Instagram: Demokratie Lernen www.instagram.com/demokratie.lernen/ Außerdem 2 Buchempfehlungen von Ola: Gegen Vorurteile: Wie du dich mit guten Argumenten gegen dumme Behauptungen wehrst von Nina Horaczek und Sebastian Wiese Populismus für Anfänger Von Walter Ötsch, Nina Horaczek
Anna Köhl und Simon Tumler sind Co-Founder von endlich. und haben vor knapp einem Jahr gegründet. Ziel ihrer Arbeit ist es, zirkuläre Transformation und Innovation durch Beratungs- und Bildungstätigkeit voranzutreiben. Während sich Anna bereits seit über zehn Jahren mit der Kreislaufwirtschaft auseinandersetzt liegt Simon’s Hintergrund vor allem in Innovationsmanagement und Design. Anna sucht gerne das Weite und ist am liebsten draußen unterwegs, während Simon seine Muße vor allem in Kunst und Musik findet. Beide haben sich während ihrer Zeit bei einer Innsbrucker Strategieberatung kennengelernt. „Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben.“ [Albert Einstein] Eine alte und oft zitierte Aussage von Albert Einstein – die aber aktueller ist als je zuvor. Die Menschheit steht vor einer der größten Transformationen der Geschichte: der Wandel unseres klima-, menschen- und wirtschaftsschädlichen linearen Systems zu einem alternativen, zukunftsfähigen und zirkulären Modell. Ziel: die Aufhaltung bzw. Umkehr des Klimawandels und des Biodiversitätsverlusts und somit die Sicherstellung unserer aller Lebensgrundlage. Extrem viel Fokus wird hierbei auf technologische Entwicklung gelegt – wie zum Beispiel E-Mobilität, Solar- und Windenergie und Kohlenstoffspeicherung. Diese Technologien werden dringend benötigt und bieten hohes Einsparungspotential – gleichzeitig wird aber die Rolle von hochwertiger Bildung sehr selten diskutiert. Dabei liegt hier der essenzielle Hebel für Verhaltensänderungen – die Grundlage für Systemänderung. Bildung ist wichtig, um eben neue Denkstrukturen zu entwickeln, wie von Albert Einstein gefordert, um neue Ansichten, Perspektiven, Verhalten und Praktiken zu etablieren und damit das „wicked problem“ Klimawandel zu lösen. Und die Wirkung von Bildung auf den CO2-Ausstoß ist enorm: Wenn sich nur 16 Prozent der Schüler:innen der Sekundarstufe in Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen mit dem Klimawandel beschäftigen würden, könnten bis 2050 fast 19 Gigatonnen CO2 eingespart werden. Das entspricht der Reduktion von Emissionen von fast 80 Millionen Haushalten (Cordero et al. 2020) . Auf den ersten Blick mag es schwierig sein, die einzelnen Klimalektionen mit einer bedeutenden Verringerung der CO2-Emissionen in Verbindung zu bringen, aber Bildung führt zu effektiver Bewusstseinsbildung und messbaren Verhaltensänderungen – wie zum Beispiel dem Verzicht auf Autofahren und Flugreisen, oder die Veränderung von Konsum- und Essgewohnheiten. Und hierbei sind nur die Effekte der privaten Verhaltensänderungen erfasst – die ganz großen Hebel können wir durch unsere Entscheidungen im beruflichen Alltag betätigen. Diese Entscheidungen umfassen große Veränderungen wie neue Geschäftsmodelle, Designansätze und Regularien, auf Basis von systemischem und holistischem Denken. Aber auch kleine Entscheidungen wie die Umstellung auf Online-Meetings, die Möglichkeit zum Home-Office oder die Reduktion von Fleisch bei der Weihnachtsfeier etc. Etwas im Kleinkindalter zu erlernen ist einfach. So habe ich letztens mein zweijähriges Kind beobachtet, wie es zu einem anderen Kind gesagt hat: „Nein, Auto machen so nniiiinn (macht das Geräusch eines Elektroautos) und nicht so brruum (macht das Geräusch eines Verbrennungsmotors)“. Weil es für ihn klar ist, dass viele Autos so klingen. Für uns im Erwachsenenalter ist es nicht mehr so einfach etwas zu umzulernen – wir haben bereits vieles erlernt und abgespeichert. Wenn meine Eltern mit meinem Kind mit Autos spielen, machen sie das Geräusch eines Verbrennungsmotors (obwohl sie selbst E-Auto fahren) – das geht ganz automatisch und ist schwierig „umzulernen“. Die meisten von uns müssen erst noch viel „verlernen“. Wir haben uns daran gewöhnt, ohne zu fragen Einweg Take-Away Geschirr zu erhalten, öffentliche Verkehrsmittel nicht ausreichend zu nutzen, unüberlegt Flugreisen zu machen oder fast täglich Fleisch zu konsumieren. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Produkte, die wir produzieren im aktuellen System nun mal Menschen und den Planeten ausbeuten. Dass Produkte eben irgendwann kaputt gehen MÜSSEN, um neue Produkte zu verkaufen und damit Gewinn und Wohlstand entstehen kann. Wir haben diese Verhaltensweisen nicht entwickelt, weil wir aktiv zum Klimawandel beitragen wollten, sondern weil sie Status-quo sind bzw. waren, weil wir gelernt haben, dass dies die Normalität ist. Und dass es jedenfalls noch jede Menge an Bildung braucht, um Denkmuster und Verhalten zu ändern zeigt eine Umfrage von Kearney. Diese hat 1500 Menschen befragt was ihrer Meinung nach die wichtigsten Verhaltensmaßnahmen zur Verringerung von CO2 sind – und stellt diese den Fakten gegenüber. Klar ersichtlich, dass bestimmte Bereiche dramatisch überschätzt werden, wobei größere Hebel wie Gebäudesanierungen und der Verzicht auf Fleisch unterschätzt werden (Bilstein und Rietmann 2020) . (Bilstein und Rietmann 2020, S. 8) Glücklicherweise wissen wir, dass wir durch Bildung einen Wandel herbeiführen können. Klimabildung für die nächste Generation bildet die Grundlage – und hierbei ist überall anzusetzen (Kinderspiele- und Bücher, neue Lehrpläne, Initiativen wie Frei-Day…). Es reicht jedoch nicht aus, einfach auf die neue Generation zu warten. Wandel muss jetzt passieren. Die Generation, die heute in Entscheidungspositionen sitzt, muss alte Muster verlernen und neue Erlernen! Als mein Geschäftspartner Simon Tumler und ich vor einigen Jahren selbst in Bildungskarenz waren, suchten wir beide – unabhängig voneinander – nach Weiterbildungsmöglichkeiten zum Thema Circular Economy. Leider war unsere Suche damals nicht erfolgreich. Für uns war klar, diese Lücke muss gefüllt werden. Das österreichische Bildungskarenzprogramm bildet eine super Chance, Personen, welche oft bereits in Entscheidungsrollen sind, neues Wissen zu vermitteln und somit Wandel anzustoßen. Aus dieser Idee ist der endlich. Circular Economy Pioneer entstanden. Ein 100% self-paced Online-Diplomlehrgang zum Thema Circular Economy. In 117 Lektionen entlang von 7 Modulen spannen wir einen tiefgreifenden Bogen von den Grundlagen des linearen Wirtschaftsmodells, über die Kernaspekte der Circular Economy bis hin zu spezifischen, anwendungsorientierten Design- und Geschäftsmodell- Strategien. Auch die neue Denkweise – systemisches Denken wird im Detail beleuchtet. Untermauert durch über 70 Fallbeispiele und über 100 Infografiken sind alle Inhalte u.a. als Hörbücher verfügbar. Der Lehrgang bietet Entscheider:innen einen strategischen Vorteil – mit dem Wissen der Zukunft die Entscheidungen von Heute richtig fällen. Wir freuen uns, dass es neben diesem Lehrgang mittlerweile auch noch weitere Angebote in Tirol und Österreich gibt und wir alle gemeinsam einen Teil zum Wandel der Denkweise und damit des Systems beisteuern dürfen. Du hast jetzt Lust bekommen dich mit den Konzepten der Circular Economy auseinanderzusetzen? Die perfekte Gelegenheit bietet sich schon am Do, 7. Dez. 2023 von 13:00 bis 15:00 beim Demo Day des CIRCO Tracks, einer Kooperation von endlich. und dem Impact Hub Tirol. [Autor:innen: Anna Köhl und Simon Tumler, Co-founders von endlich. Weitere Ressourcen zum Thema: Podcast: The Circular Economy Show der Ellen MacArthur Foundation Bücher: A wealth of Flows von Ken Webster Waste to Wealth: The Circular Economy Advantage von Peter Lacy und Jakob Rutqvist The Circular Economy – a users guide von Walter Stahel The Circular Economy Handbook: Realizing the Circular Advantage von Peter Lacy, Jessica Long und Wesley Spindler Thinking in Systems: a primer von Donella H. Meadows und Diana Wright